Guten Abend ihr Lieben.
Heute mal wieder eine Meldung von mir, weil es mich schon wieder umtreibt. Die freien Tage diese Woche waren voll gepackt mit Veranstaltungen und Hobby und heute bewegte mich doch etwas sehr. Ich lernte Menschen kennen. Nein, anders, ich lernte einen Flickenteppich kennen. Denn jeder von uns ist für sein Gegenüber ein großer Teppich mit einigen Löchern. Und wir werden nie alle dieser Löcher stopfen können mit irgendwelchen Flicken. Diese Flicken zeigen auch auf, dass wir nicht perfekt sind, keiner von uns. Aber auch anders finden wir nicht immer alles heraus, was wir gerne wissen wollen würden. Wenn ich an dieses Theaterstück zurückdenke, welches ich heute miterleben durfte, dann wurde mir eines bewusst. Manche Dinge sollte man einfach nicht unbedingt hinterfragen. Dafür haben wir selbst mit uns genug zutun und auch wir haben Löcher, die wir erst nach und nach verstehen lernen mit der Zeit. Die einen eher, die anderen erst sehr viel später. Dabei kann man die Vergangenheit nicht ändern, aber verstehen lernen. Das Erlebte gehört zu uns, hat uns vielleicht geprägt und uns verändert. Manches hat uns in eine Richtung gelenkt, wo man sich erst später entwickelt und sieht, dass es einem das eigene Ich etwas verwährte.
Fakt ist doch aber, dass du du bist. Mit all deinen Fehlern und Macken. Du sollst dich nicht verstellen. Zeige dich selbst. Jeder, der damit nicht umgehen kann, wird es dir zeigen. Aber das ist okay. Man muss ja nicht jeden leiden können. Das lerne ich auch immer wieder in den Hunderunden. Mein Hund muss nicht jeden leiden können, aber man kann ja in der Gemeinschaft trotzdem ne Runde mitlaufen. Die wahren Freunde zeigen sich dann, wenn sie deine Ecken und Kanten verstehen, sehen, auch mal darauf aufmerksam machen, aber dennoch zu jeder Zeit zu dir halten. Und das ist doch das, was am Ende zählt. Du musst dich nicht verstellen oder anpassen. Zeig, was du denkst. Ich akzeptiere andere Meinungen, kann aber eine völlig entgegengesetzte haben.
Was hier in der Gesellschaft gerade abgeht, ist doch irgendwie ein Kampf jeder gegen jeden. Sei es auf der Straße, sei es in der Politik, sei es im Job. Wo ist die Akzeptanz, aber auch die Diskussionsfreudigkeit abgeblieben. Warum kann es nur noch schwarz oder Weiß geben?
Und ja, ich darf sagen, dass es mir gut geht. Und ich glaube, vielen geht es hier nicht so schlecht. Wenn ich in meinem Job, aber auch im engeren Kreis Menschen sehe oder höre, die mir sagen, dass sie so etwas vermissen oder einfach gern schmerzfrei wären. Dann sind das doch so die wahren engen Bedürfnisse unseres Seins, die wirklich zählen. Diese Grundbedürfnisse, wie sie immer gern genannt werden.
Theater ist Kunst und Kunst lebt von Ideen. Ideen können nur entstehen, wenn Menschen sich mit Themen beschäftigen, die sie selbst berühren. Kunst ist etwas Wundervolles, weil es einfach einfach ist und doch kompliziert. Und so kann jeder in diesen Geschichten etwas anderes verstehen. Und das ist okay so, denn jeder hat eine andere Meinung, eine andere Bildung, eine andere Sichtweise auf die angesprochene Thematik. Das gilt für die gesprochene, die gesungene, die schriftliche und die bildliche Kunst. Es gibt immer eine Intention des Künstlers dahinter. Aber das Gegenüber kann es mit seinen Erfahrungen anders interpretieren. Hoch spannend.
Und so bilden wir einen bunten Flickenteppich ab. Dem einen gefällt dieser, dem anderen vielleicht nicht. Wichtig ist doch, man muss ihn nicht kaufen, aber er hängt halt dort und man kann ihn akzeptieren.
Wir leben in einer Zeit voller Unruhen. Gehen wir doch einfach gemeinsam für ähnliche Ziele auf die Straßen. Ohne politische Meinung, aber für eine Meinung, die eigentlich alle unzufrieden macht. Das Leben ist kein Ponyhof, aber wir sollten auch nicht zu bequem sein, andere allen die Arbeit zu überlassen. Wir Menschen können nur in einer Gemeinschaft stark sein.
Ach, und zur Info, unsere Politik ist auch ein bunter Flickenteppich, weil eben viele verschiedene Meinungen aufeinander treffen. Vielleicht gibt es hier und da ja auch mal Kompromisse.
Ich für mich weiß nun, dass die Löcher und Flicken einfach dazu gehören und es einfach individuell aussehen lassen. So, wie wir eben sind. Und versuchen wir nicht alle Löcher zu stopfen, dass gräbt manchmal einfach zu sehr die Vergangenheit auf, die man nicht ändern kann. Wenn man sie weiß, ist es schön und gut, aber was bringt es uns? Nur etwas Erfahrung. Schaden kann sie nicht. Aber es bleibt auch immer etwas Neugier. Warum bin ich so, wie ich bin? Oder warum bin ich jetzt anders als früher. Ich für mich weiß es und verstehe es. Ändern kann ich die Lebensgeschichte trotzdem nicht. Gut so, denn in allem liegt ein Fünkchen für die Lebenserfahrung. Die Weisheit, mit der wir irgendwann alle von dieser realen Welt verschwinden.
Lassen wir die Kunst weiterleben. So leben auch wir weiter.


